Max Herger im Gespräch

Herr Herger, das Bekenntnis von V-ZUG zum Produktionsstandort Schweiz zeigt sich aktuell in der Transformation des Areals in Zug und dem Aufbau des neuen Kühlschrankwerkes in Sulgen. Welche Chancen sehen Sie als Leiter Produktion in der nachhaltigen Investition in unsere Schweizer Produktion? 

Wir haben den Anspruch, qualitativ hochwertige Geräte zu entwickeln und zu produzieren. Dafür braucht es gut ausgebildetes Personal. In der Schweiz haben wir ein sehr breites und hohes Ausbildungsniveau und somit auch sehr gute Arbeitskräfte – das widerspiegelt sich schlussendlich im fertigen Produkt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Nähe von Entwicklung und Produktion. 

Die Chancen sind klar erkennbar. Wie steht es um die Herausforderungen?

Die grösste Herausforderung besteht darin, als eher kleiner Hersteller in der Schweiz weiterhin konkurrenzfähig vor Ort zu produzieren. Den Standort Schweiz aufrechtzuerhalten, ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Schon immer haben wir mit grosser Leidenschaft und viel Know-how innovative Produkte in der Schweiz entwickelt und produziert. Das wollen wir auch in Zukunft tun. Daher nehmen wir die Herausforderungen gerne an. Zum Beispiel die etwas höheren Preise, die sich für unsere Kunden ergeben. Wir sind sehr bestrebt, heute wie auch morgen wirtschaftlich zu produzieren. Deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit der Erneuerung von Anlagen, der Implementierung neuer Technologien, der Realisation optimaler Produktionslayouts und dem sinnvollen Ausbau von Automatisierungsschritten. 

Wieviel Automatisierung ist sinnvoll?

Der Schlüssel liegt in der Analyse von Herstellungs- und Montageprozessen. Es ist wichtig, dass wir festlegen, wo Automatisierungsschritte sinnvoll sind. Dies beginnt bereits bei der Entwicklung eines Gerätes: Bei jedem einzelnen Teil müssen sich die Entwickler zusammen mit den Produktionsfachleuten überlegen, wie und mit welchen Werkzeugen oder Anlagen ein Teil wirtschaftlich und prozesssicher montiert werden kann. Deshalb ist für uns der Produktionsstandort Schweiz auch so wertvoll: Wir haben hier Entwicklung und Produktion Tür an Tür.

Welche Vorteile ergeben sich konkret durch diese Nähe?

Flexibilität, Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit. Ein Produkt kann perfekt montiert werden, es muss aber vorher schon genauso gut entwickelt worden sein. Deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, dass alle Disziplinen ihre Expertise miteinander teilen. Darin sind wir stark und deshalb können wir Qualität und Langlebigkeit sicherstellen. 

Was sind weitere Indikatoren für den hohen Qualitätsstandard?

Qualität ist immer auch mit der Prozessstabilität in der Fertigung, Montage oder dem Supply Chain Management verbunden. Ein hoher Standard hängt auch von der Wahl der Partner ab. Deshalb investieren wir Zeit und Ressourcen in die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten – das zahlt sich aus. Und schliesslich entscheidet auch das Automatisierungslevel über das Ergebnis, die Qualität und die Wirtschaftlichkeit. 

Hat der Automatisierungsrad in den letzten Jahren stark zugenommen?

Meistens erfährt die Automatisierung bei der Lancierung einer neuen Produktlinie einen Schub. So wie es aktuell der Fall ist. Bei Produktablösungen werden immer auch Fertigungskonzepte überarbeitet und angepasst – dies ermöglicht auch das Implementieren neuer Technologien. Zu den klassischen Herausforderungen, die das Einführen neuer Fertigungskonzepte mit sich bringt, kamen aufgrund der Corona-Pandemie zahlreiche Hürden dazu. Homeoffice, die Verzögerung bei Lieferanten für neue Anlagen, Quarantäne, weniger Personal – es war einiges los. Aber das Projekt für die Implementierung der neuen Fertigungskonzepte lief über einige Jahre und wurde sehr gut geführt. Wann immer Probleme aufkamen, sie wurden im Team effizient gelöst. Und wir haben auch alle Anliegen und Ängste des Personals ernst genommen.

Welche Ängste und Anliegen waren das?

Wir hatten trotz, oder vielleicht auch wegen der Pandemie, ein sehr hohes Auftragsvolumen. Die Beschaffungssituation von Material war aber sehr schwierig. So entstanden Unsicherheiten. Diese konnten wir aber immer rechtzeitig beseitigen, beispielsweise durch den Aufbau von Notfallteams: Mitarbeitende aus Büroabteilungen haben im Lager, in der Spedition und in der Montage mit angepackt. Sehr oft war in den vergangenen Monaten von Solidarität die Rede – bei V-ZUG haben wir sie wirklich gelebt. Das macht V-ZUG aus: Wir sind eine grosse Familie. 

Diese Familie werden Sie aufgrund ihrer Frühpension im Sommer verlassen. Was werden Sie am meisten vermissen?

Am Anfang werde ich die täglichen Herausforderungen und die wertvolle Zusammenarbeit mit meinem Führungsteam und meinen Geschäftsleitungskollegen vermissen. Aber auch den morgendlichen Rundgang durch die Produktion; dies war mir immer sehr wichtig. Überhaupt waren in diesen 21 Jahren alle Begegnungen mit den verschiedensten Menschen meine Highlights: Ob ein Schwatz mit der Putzequipe am frühen Morgen, das Treffen mit dem Verwaltungsrat am Mittag, ein spontanes Meeting mit den Kollegen oder ein fachlicher Austausch mit meinen Mitarbeitenden. Aber ich kann loslassen und bin bereit für einen neuen Lebensabschnitt.

Sie beschreiben Ihre Zeit bei V-ZUG als sehr bereichernd. Was war eines der schönsten Erlebnisse?

Ein Highlight war für mich die erste Reise nach Asien im Jahr 2005. Es war fast schon pionierhaft: Ich durfte als erster V-ZUGler den Geschäftsaufbau in Asien mitgestalten. Aber auch auf meine 6-jährige Tätigkeit als Geschäftsführer in Arbon schaue ich gerne zurück. In Zusammenarbeit mit dem Hauptsitz in Zug konnten wertvolle Synergien genutzt werden. Ich konnte mit meinem Team in Arbon etwas Nachhaltiges aufbauen und somit Arbeitsplätze nicht nur erhalten, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Der Aufbau des neuen Kühlschrankwerks in Sulgen freut mich deshalb besonders. Genauso schön war es, wieder nach Zug zurückzukehren und mit offenen Armen empfangen zu werden. 

Worauf freuen Sie sich am meisten nach Ihrer V-ZUG Zeit?

Ich bin sehr dankbar für die 21 abwechslungsreichen Jahre, die ich bei der Firma V-ZUG gearbeitet habe. Es waren intensive Zeiten, in denen ich sehr viel gelernt habe und auch vieles erfolgreich umsetzen konnte. Darauf werde ich dankend zurückblicken. Nun freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt mit meiner Familie, meinen Enkelkindern und Freunden. Ich bin aber auch offen für neue Herausforderungen. 

Über Max Herger

Max Herger ist Maschineningenieur FH und Wirtschaftsingenieur STV. Vor seiner Tätigkeit bei V-ZUG war er 12 Jahre bei der Siemens Building Control in Zug in diversen Führungsaufgaben tätig. 2001 übernahm Max Herger die Fertigungsplanung bei der V-ZUG AG. Von 2008 bis 2013 war er als Operation Leiter Mitglied in der Geschäftsleitung. Für die anschliessenden sechs Jahre leitete Max Herger die V-ZUG Kühltechnik AG in Arbon. 2020 führte sein Weg wieder zurück nach Zug als Operation Leiter für die Werke in Zug, Arbon und Changzhou und als Mitglied der Geschäftsleitung.