Stephan Keller im Gespräch

Herr Keller, Sie sind 2013 zu V-ZUG gestossen. Was war einer Ihrer schönsten Momente bisher? 

Ein Ereignis, das mir als besonderer Hühnerhaut-Moment in Erinnerung geblieben ist, ist eine interne «Arena-Diskussionsrunde», die wir mitten in unserer SAP-Krise abgehalten haben. Eine Krise als schönsten Moment zu bezeichnen, mag im ersten Moment befremdlich klingen, doch was dabei herausgekommen ist, beeindruckte mich. Wir steckten mitten in der Umstellung auf SAP und den einzelnen Disziplinen fiel es besonders schwer, die Betrachtungsweise anderer Fachbereiche einzunehmen. Wir entschieden uns für eine offene Runde. Ob IT, Montage, Produktion, Entwicklung, Logistik – jedes Fachgebiet brachte sich ein und alle begegneten sich auf Augenhöhe. Innert zwei Stunden konnten wir als Team noch weiter zusammenwachsen und ein vertrauensvolles Umfeld schaffen. Das hat unser Wir-Gefühl enorm gestärkt. 

Sie sprechen das Wir-Gefühl und die Begegnung auf Augenhöhe an. Für welche Werte stehen Sie als Person und Direktor Entwicklung weiter ein?

Zur Begegnung auf Augenhöhe gehören für mich auch Vertrauen und Respekt. Zudem ist mir das gemeinsame Erlebnis sehr wichtig. Hier gehören Krisen- und Freudenmomente gleichermassen dazu. Es war mir eine besondere Freude, als wir vor zwei Jahren den Launch der Advanced Line mit dem gesamten Team feiern konnten. Und genauso wichtig empfinde ich das Arbeiten in Teams, wie zum Beispiel unsere Taskforce in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In solchen Teams ist die Begegnung auf Augenhöhe essenziell. Denn so können wirkungsvolle Lösungen entstehen, die von allen respektiert und vertreten werden. 

Und wie tragen Sie dazu bei, mit Ihrem Departement und der ganzen V-ZUG vorwärtszukommen?

Ich sehe es als meine Aufgabe an, ein Umfeld zu schaffen, in welchem die Entwicklung neuer Produkte optimal in unser Umfeld passt. Die Innovationsplanung muss in die Gesamtstrategie eingebettet sein und alle Eventualitäten beachten. Es ist ein Balanceakt: Nicht zu viel und nicht zu wenig – es muss genau das richtige Mass an Innovation sein, das vom Markt gefordert wird. Innovationen halten Unternehmen aktiv. Doch sind wir im ED nur ein Zahnrad von vielen: Damit die Innovationstätigkeit gut läuft, müssen alle beteiligten Disziplinen ineinandergreifen und das gleiche Tempo aufweisen.

Grosse Innovationen nur mit klarem Kundennutzen und immer ein gutes Mass an Weiterentwicklung. Wie findet man das Erfolgsrezept für nachhaltige Innovationsplanung? 

Eine Innovation sollte in den häufigsten Fällen eine logische Weiterentwicklung eines akzeptierten Produktes sein. Sie orientiert sich am Wettbewerbsumfeld und den Kundenwünschen. Dazu gehört, dass wir neue Technologien, die auf den Markt kommen, früh, aber nicht zu früh, gewinnbringend umsetzen. Das ist eine Tugend, zu welcher wir uns wieder verstärkt bekennen müssen. 

Sie betonen die Orientierung an den Kundenwünschen. 

Genau. Das Kundenerlebnis rückt immer mehr in den Fokus unseres Bestrebens. Lange war die innovative Technologie ein dominanter Treiber am Markt. Diese wird heute jedoch einfach vorausgesetzt. Heute wollen unsere Kunden noch viel mehr: Die Interaktion mit dem Gerät und das Erlebnis, das geboten wird, gewinnen enorm an Bedeutung.  

Mit unserer neu lancierten Gerätegeneration Backöfen und Steamer der Excellence Line heben wir dieses Kundenerlebnis auf ein ganz neues Level. Können Sie das beschreiben?

Wir hoffen und glauben, dass unsere Kunden diese Gerätelinie lieben werden. Die intuitive Bedienung und ein Design, das sich in jede Küche einfügt, das macht einfach Freude. Bereits bei der zweiten Nutzung des Gerätes wird aus Freude oft sogar Begeisterung. Ich weiss, dass unser Designteam beim User Interface der neuen Linie eine tolle Arbeit geleistet hat, weil ich es die letzten Monate bei mir zuhause ausprobiert habe. Die Bedienung ist so intuitiv, einfach und übersichtlich, dass es einfach Spass macht. 

Wir haben den Anspruch, Produkte zu entwickeln, die zeitlos und langlebig sind. Welche Herausforderungen birgt dieser Anspruch in der Entwicklung?

Viele denken, die Herausforderung besteht darin, heute zu wissen, was in 10 Jahren noch gefragt ist. Man kann dies erahnen, indem man Trendanalysen und designwissenschaftliche Aspekte in seine Überlegungen miteinbezieht. Für uns war es aber genauso wichtig zu definieren, wie wir evolutionäre Entwicklungen von Designaspekten betrachten. Dafür haben wir einen Styleguide entwickelt. Dieser hält fest, welche Ausprägungen von Designelementen wir wie schnell verändern. Diese Aspekte umfassen Formen, Farben, Textur, Muster und Materialisierungen. Mit den neuen Farben Spiegelglas Pearl und Platinum haben wir zum Beispiel eine sanfte Entwicklung im Farbspektrum gemacht. Das klassische schwarze Spiegelglas behalten wir jedoch weiter bei – es gehört zu unserem Design-Kern.  

Was hat sich neben dem neuen Farbspektrum auch noch weiterentwickelt in der Designsprache?

Die Balance aus eckigen und runden Formen ist ein weiterer zentraler Punkt. So sind neue, runde Formen dazugekommen: besonders zu erwähnen natürlich der CircleSlider. Oder auch der Einsatz von Symmetrie ist in unserem Design wortwörtlich zentraler geworden. Zudem war es uns bei der Weiterentwicklung unserer Designphilosophie besonders wichtig, dass wir kurz-, mittel- und langfristig auf Veränderungen reagieren können. Deshalb haben wir ein modulares Produktesystem geschaffen. Wer weiss, vielleicht ist in ein paar Jahren die Farbe Kupfer im Trend. Darauf sind wir vorbereitet. Mit der modularen Bauweise unserer Geräte können wir so auch kostengünstige Wechsel oder Adaptionen anbieten. 

Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ist es nun endlich soweit: Die neue Gerätegeneration der Backöfen und Steamer ist auf dem Markt. Welches Feedback erwarten Sie?

Haushaltsgeräte haben eine lange Marktverweildauer und werden eher weniger spontan gekauft. Das heisst, wir können nicht erwarten, dass die Leute ab sofort Schlange stehen werden, um sich einen neuen Backofen oder Combi-Steamer zu kaufen. Aber ich bin überzeugt, dass es uns gelingt, einiges an Vorfreude zu schaffen. 

Ihre Vorfreude und Begeisterung für die neue Gerätelinie sind in jeder Antwort spürbar. Woher nehmen Sie Ihre Motivation? 

Ich bin ein geborener Konsumgütermensch. Aber ich konsumiere nicht nur gerne, mich interessiert dabei auch die Produktphilosophie dahinter. Ausserdem liebe ich Ästhetik und Design. Als ausgebildeter Robotiker und Mechatroniker und habe ich mich schon früh mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. V-ZUG steht für Simplexity, also für die Einfachheit zum Kunden hin und der Komplexität bei perfekten Lösungen. Solche Werte und Ansprüche machen für mich ein Produkt aus, begeistern mich. Und die Tatsache, dass wir mit unserer Produktion in der Schweiz zudem zur Diversifikation unserer eigenen Volkswirtschaft beitragen können, macht mich natürlich besonders stolz. 

Über Stephan Keller

Stephan Keller ist Dipl. Masch.-Ing. ETH in Mechatronik, Robotik und biomedizinischer Technik. Als Mitglied der Geschäftsleitung leitet er seit November 2013 das Departement Entwicklung der V-ZUG. Zuvor war er 18 Jahre lang bei Bosch Elektrowerkzeuge für Innovation sowie in der Konzernforschung für den Automobilbereich an Standorten in der Schweiz, Deutschland und China tätig.