Energie und Klima - Nachhaltigkeitsbericht 2018/2019

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Einführung Energie und Klima

Wir emaillieren unsere Backöfen bei über 800 °C, benötigen Energie für den Antrieb unserer automatisierten Anlagen, verwenden unterschiedlichste Materialien und verursachen Abfall in den Wertschöpfungsprozessen. Obwohl unsere Produkte im Einsatz bei Kunden deutlich mehr Energie verbrauchen als bei der Herstellung, arbeiten wir laufend daran, die Umweltbelastung unserer Standorte zu verringern. 

CO2-Neutralität: unsere Ambition
Die Reduktion der CO2-Emissionen ist ein Schwerpunkt unseres Nachhaltigkeitsengagements und langfristig wollen wir CO2-Neutralität nicht nur für unseren Betrieb am Standort Zug erreichen, sondern für den gesamten Technologiecluster Zug (TCZ). Deswegen nimmt V-ZUG bei Energie-Agentur der Wirtschaft teil und hat eine Zielvereinbarung mit dem Bund unterzeichnet. Ausserdem leisten wir für die verursachten CO2-Emissionen freiwillig eine Abgabe von CHF 120 pro Tonne CO2 an die Metall Zug. 

Autonom und vernetzt: der Multi-Energy-Hub
Der CO2-arme und weitgehend autonome Multi Energy Hub (MEH) soll künftig den Technologiecluster Zug und umliegende Bezüger mit möglichst viel lokal erneuerbarer Energie aus Photovoltaik, Grundwasser und Seewasser versorgen. Zur Steigerung der Energieeffizienz wird der MEH nach dem Prinzip der Sektorenkopplung entwickelt. Wir nähern uns der schrittweisen Inbetriebnahme des MEH ab dem Jahr 2020. Der Erhalt der Konzession für die Nutzung zweier Grundwasserbrunnen auf dem Gelände und die Bestellung einer Photovoltaikanlage für den Neubau Zephyr-Hangar sind jüngste Meilensteine.

Höhere Produktivität auf weniger Fläche
Die Reduktion unseres Fussabdrucks auf unserem Stammareal in der Stadt Zug ermöglicht die Entstehung des TCZ und geht einher mit einer Transformation unseres Betriebssystems. Durch die Vertikalisierung der Produktion sowie durch die gleichzeitigen Prozessoptimierungen beanspruchen wir künftig nur noch ca. 40 % der aktuellen Grundfläche. Die neuen Gebäude entsprechen hohen Nachhaltigkeitsstandards und mit der neuen Presse können wir schon bald die Energieeffizienz im Produktionsprozess deutlich steigern.

Unser Abfall: zu 80 % rezyklierbar
In unseren Produktions-, Entwicklungs-, Logistik- und Verwaltungsprozessen entsteht Abfall. Wir überdenken laufend unsere Abfallprozess und machen mit dem neuen V-ZUG Betriebssystem einen grossen Schritt Richtung optimierte Abfalltrennung und automatisierte Entsorgung. Aber auch kleinere Optimierungen setzen wir um: So rühren V-ZUG Mitarbeitende neuerdings ihren Kaffee mit Holzstäbchen und drucken über ein zentralisiertes System.

Grafik: Prof. Dr. Gian-Luca Bona, Direktor Empa

Stories Energie und Klima

175 Tonnen Innovation
Es war so einiges los in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2019 an unserem Hauptsitz in Zug. Die neue Presse, ein Herzstück der künftigen Produktionsanlagen, ist nach einwöchigem Schwertransport pünktlich bei uns eingetroffen. Die Presse ist in vielerlei Hinsicht äusserst innovativ und ersetzt eine Kombination aus mehreren Pressen und Robotern in der bestehenden Produktion. Die Verlagerung der Presserei ins Nordareal schafft Raum für den Technologiecluster Zug (TCZ). Einige Produktionsschritte, wie beispielsweise der Werkzeugaustausch, gehen bald viel schneller vonstatten und erlauben kleinere Losgrössen und höchst effiziente Arbeitsweisen.

«Die neue Presse ist eine eierlegende Wollmilchsau. Mit den eingebauten Servo-Motoren kann eine Energieeffizienzsteigerung von bis zu 30 % erzielt werden», erzählt Projektleiter Roland Häfliger stolz. Die elektrischen Servo-Motoren lösen den hydraulischen Antrieb ab und führen zu einer optimierten Nutzung der eingesetzten Energie. Denn die Transferbalken – vergleichbar mit einem Glied, das die Räder einer Lokomotive verbindet – transportieren die zu bearbeitenden Teile durch den Produktionsprozess. Durch die Beschleunigung beim Heben des Stössels und der Verlangsamung während des eigentlichen Umform-Vorgangs verläuft der Produktionsschritt insgesamt schneller und kontrollierter zugleich. «Die neue Presse steht für ein mutiges Bekenntnis zum Werkplatz Zug, ist Ausdruck unserer Innovationsfähigkeit und markiert einen Meilenstein hin zu einer nachhaltigen Produktion – für die Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt hier in Zug», schliesst Roland Häfliger.

Print-2-me: zentral, gemeinsam genutzt und doch privat
Ein neues Drucksystem hilft uns seit Frühjahr 2019 in unserem täglichen Handeln, Papier und Strom zu sparen. Mit Print-2-me werden Druckaufträge zwischengespeichert und können mit dem persönlichen Badge an einem beliebigen Drucker an fast allen Standorten von V-ZUG Schweiz ausgedruckt werden. «Damit ist die Vertraulichkeit im Umgang mit sensiblen Informationen gegeben, was bisher oft ein Argument gegen zentrale Drucker war», erläutert Projektleiter Ernst Stecher. Im Zuge der Umstellung hat V-ZUG ausserdem die Druckerflotte um 30 % reduziert. Durch den Einsatz modernster Geräte laufen die Druckprozesse energieeffizienter ab und verursachen weniger CO2-Emissionen.
Der Papierverbrauch verringert sich gemäss Schätzungen dank Print-2-me um 5 bis 10 %, denn wenn jemand vergisst, die Seitenanzahl einzuschränken oder auf schwarz-weiss umzustellen, können die Mitarbeitenden einen neuen Druckauftrag erstellen, ohne dass der fehlerhafte bereits ausgeführt wurde. Zudem wird standardmässig doppelseitig gedruckt. «Natürlich gibt es immer Skeptiker. Wir haben versucht, diese frühzeitig einzubinden. Schön war auch zu sehen, dass ein paar Mitarbeitende bereits in der Analysephase auf das Projektteam zugegangen sind und gemeldet haben, wo sie in ihrer Abteilung Möglichkeiten sehen, Drucker abzubauen», berichtet Ernst Stecher erfreut. Ausserdem gewinnt V-ZUG über das neue System wichtige Informationen, um das Druckverhalten besser zu verstehen und weitere Anreize zu schaffen, Prozesse ressourcenschonender zu gestalten.

So viel wie nötig
Aus der Geschichte können wir viel lernen. So findet heute das Logistikkonzept des Milchmanns, der Haushalten jeweils nur so viel Milch vorbeibrachte, dass der Vorrat wieder aufgefüllt war, Anwendung in der Industrie. Dies mit dem Ziel, den Lagerbestand so klein wie möglich und trotzdem stabil zu halten und die Fahrten der Chauffeure nutzenoptimiert durchzuführen. Wir haben zuletzt allerlei Vorbereitungen getroffen, damit im Sommer 2019 der erste externe «Milkrun» bei V-ZUG durchgeführt werden konnte: Anstatt dass wie bisher jeder Lieferant sein Produkt als ganze Lkw-Ladung zu uns transportiert, fahren wir mit einem Fahrzeug zu mehreren Lieferanten in der nahen Umgebung. Abgeholt werden dort jeweils nur diejenigen Teile, die V-ZUG zeitnah weiterverarbeitet. So reduzieren wir die Bestände in den Lagern und sparen Fläche und Energie. Gleichzeitig motivieren wir unsere Lieferanten, die Art und Weise, wie sie ihre Bestände managen, zu überprüfen und allenfalls umzustellen.

V-ZUG Chauffeure gehen in Zukunft häufiger bei Zulieferern vorbei und holen kleinere Stückzahlen diverser Produkte ab. «Man kann sich das so vorstellen: Neuerdings enthält jede Lieferung ein ganzes Geschirrset anstatt nur Messer oder Gabeln. So reduziert V-ZUG Bestände und schafft mehr Sicherheit bezüglich der Materialverfügbarkeit», erklärt Projektmanager Stefan Weitz. Und die häufigeren Lieferintervalle kompensiert V-ZUG mit weniger Leerfahrten aufgrund optimierter Routenplanung und intelligenter Kombination von Auslieferung und Abholung. Darüber hinaus ist der Einsatz von Pendelverpackungen in dem System angedacht, wodurch Verpackungsabfall reduziert und weitere Effizienzsteigerungen erzielt werden können.

Kennzahlen Energie und Klima

Absoluter Energieverbrauch gestiegen
2018 / 2019 lag der absolute Energieverbrauch innerhalb der Organisation bei 113,1 Terajoule. Darin enthalten sind Elektrizität (41,6 %), Erd- und Biogas (27,1 %), Diesel (23,4 %) und Benzin (0,03 %) der eigenen Fahrzeugflotte (inkl. Lkw) sowie Heizöl (7,9 %). Im Vergleich zur Vorperiode ist der Energieverbrauch um 3,0 % gestiegen, gegenüber 2016 / 2017 jedoch um 3,2 % gesunken. Grund dafür ist, dass wir 2017 / 2018 versuchsweise die Temperatur in den Fertigungshallen in Arbon gesenkt haben. Da die tieferen Temperaturen für die Mitarbeitenden jedoch sehr unangenehm waren und sie zudem dazu führten, dass die Klebstoffe schlechter hafteten, wurde die Heizanlage in dieser Berichtsperiode wieder hochgestellt.

Grafik: Energieverbrauch bei V-ZUG nach Energiequelle (in Terajoule)

CO2-Emissionen nehmen zu
Unsere Geschäftstätigkeit hatte 2017 / 2018 insgesamt 4 698 Tonnen energiebezogene CO2-Emissionen zur Folge. Sie setzen sich zusammen aus den Positionen Diesel (41,4 %), Erdgas (32,3 %), Heizöl (14,0 %), Benzin (0,05 %) und Strom (12,2 %). Am Standort Zug verursacht der Strom, den wir seit 2014 zu 100 % aus Schweizer Wasserkraft beziehen, keine Emissionen. Im Vergleich zur Vorperiode ist der CO2-Ausstoss damit um 2,4 % gestiegen. Diese Entwicklung ist u. a. auf den Heizölverbrauch in Arbon zurückzuführen.

Grafik: CO2-Emissionen, Standortbezogene direkte Emissionen (Scope 1; Diesel, Erdgas, Heizöl EL) und direkte Emissionen ausserhalb des Standorts (Scope 2: Strom) in Tonnen CO2

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