Umwelt- und Klimaschutz - Nachhaltigkeitsbericht 2021

Einführung Umwelt- und Klimaschutz

V-ZUG ergreift Massnahmen, um die durch unsere Geschäftstätigkeiten entstehenden Emissionen möglichst zu vermeiden, zu reduzieren und, wo nötig, zu kompensieren. Wir investieren in energieeffiziente Anlagen und stellen künftig fast gänzlich auf erneuerbare Energiequellen um.

Vermeiden, reduzieren und kompensieren 
Um bereits heute CO2-neutral zu sein, kompensieren wir unsere direkten Emissionen (Scope 1) vollständig und unsere indirekten Emissionen (Scope 2 und 3) teilweise in Zusammenarbeit mit der Ripa Gar Stiftung zugunsten eines Aufforstungsprojekts in Schottland. Um insbesondere eine ganzheitlichere Sicht auf die gemäss GHG-Protokoll identifizierten 15 Kategorien von Scope 3-Emissionen zu erhalten, führten wir 2021 ein Screening durch. Auf dessen Basis werden wir die künftige Zielsetzung bezüglich Scope 3-Emissionen formulieren; die Scope 1 und 2- Emissionen wollen wir bis 2030 um 80 Prozent senken.

Interne Lenkungsabgabe für CO2-Emissionen 
Mit einer freiwilligen, internen CO2-Lenkungsabgabe unterstützen wir nachhaltige Geschäftsentscheide. Die V-ZUG sowie die Gesellschaften der Metall Zug Gruppe zahlen CHF 120 pro ausgestossene Tonne CO2 in einen unternehmenseigenen Fonds ein. Damit finanzieren wir nachhaltige Projekte und Massnahmen, beispielsweise den Ausbau der Abwärmenutzung oder die Mehrkosten für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.

Infrastruktur erneuern 
V-ZUG investiert in sozial, wirtschaftlich sowie ökologisch nachhaltige Standorte und baut umweltfreundlich und mit innovativen Methoden. Zusammen mit dem Tech Cluster Zug setzen wir bei der Entwicklung unseres Stammareals mit dem Multi Energy Hub (MEH) neue Massstäbe. Auch beim Neubau der V-ZUG Kühltechnik AG in Sulgen ist die Energieversorgung umweltfreundlich. 

Ökobilanzierung 
2021 erstellten wir für unsere drei Produktionsstandorte Zug, Arbon und Changzhou erstmals eine Betriebsökobilanz. Mit der Methode der ökologischen Knappheit berechneten wir unsere Umweltbelastungspunkte (UBP). Auf dieser Grundlage können wir künftig unsere Zielerreichung im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz präziser verfolgen.

Transporte elektrifizieren 
Wir sind bemüht, die Transportwege zu verkürzen und die Logistikprozesse zu verbessern. Bis im Jahr 2030 möchten wir unsere gesamte Serviceflotte mit Elektrofahrzeugen ersetzen. V-ZUG sieht zudem beim Wasserstoff als alternativer Energieträger ein grosses Potential.

Abfall recyceln 
Wir achten darauf, dass in allen unseren Arbeitsprozessen möglichst wenig Abfall entsteht. Bei allen Werkstoffen achten wir auf deren Wiederverwertung oder führen diese dem fachgerechten Recycling zu.  

Abbildung 15: Anteil UBP pro Standort: Zug, Arbon, Changzhou.

 

Ziele Umwelt- und Klimaschutz

Kennzahlen Umwelt- und Klimaschutz

Kein wesentlicher Anstieg der CO2-Emissionen trotz Parallelbetrieb von Gebäuden und Prozessen
Die direkten und indirekten CO2-Emissionen beliefen sich 2021 auf 4 600 Tonnen. Damit bewegen sich die CO2-Emissionen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Grund für den Anstieg um 2% gegenüber 2020 ist der erhöhte Erdgasverbrauch in Zug (Nutzung «Zephyr-Hangar» als neuer Standort für Oberflächentechnik und Testbetrieb der neuen Anlage; parallele Nutzung von Emaillieröfen und Gebäuden). Die schrittweise Inbetriebnahme des auf Energieeffizienz ausgelegten Standorts Sulgen, bei gleichzeitiger Produktion in Arbon, beeinflusste den Anstieg der CO2-Emissionen nicht wesentlich. 

Für den Produktionsstandort Zug wird seit Jahren 100% Wasserstrom eingekauft, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Entsprechend werden die CO2-Emissionen gemäss Herkunftsnachweis deklariert (market-based, gemäss Berichterstattungsvorgaben nach Green House Gas Protocol). Der verwendete Emissionsfaktor setzt sich aus den direkten (Scope 2) und indirekten (Scope 3) Emissionen zusammen. Aus Gründen der Vergleichbarkeit werden im GRI Index zudem die Emissionen des bezogenen Stroms (location-based) ausgewiesen, basierend auf einer Berechnungsweise der Universität Genf. Diese basiert auf einem Modell mit realen Marktdaten der Schweiz sowie einem aggregierten stündlichen Lastgang am Standort Zug. Dieser Vergleich hilft in der Diskussion rund um die bekannte Diskrepanz von eingekauftem und effektiv bezogenem Strom. 

Abb. 16: CO2-Emisionen (in Tonnen CO2)

Absoluter Energieverbrauch trotz Wachstum und Transformation nur leicht erhöht
2021 lag der absolute Energieverbrauch von V-ZUG bei 117,4 Terajoule. Dieser setzt sich wie folgt zusammen: Elektrizität (43,3%), Erdgas (29,7%), Biogas (0,03%), Heizöl (6,5%) sowie Diesel (20,5%) und Benzin (0,02%) unserer Fahrzeugflotte. Im Vergleich zu 2020 hat sich der Energieverbrauch aus den oben erwähnten Gründen leicht erhöht (+3,7%) – nicht zuletzt auch aufgrund des Parallelbetriebs in Arbon und Sulgen. 

Abb. 17: Energieverbrauch bei V-ZUG nach Energiequelle (in Terajoule)

Stories Umwelt- und Klimaschutz

Transparent bilanzieren
2021 hat V-ZUG in Zug, Arbon und Changzhou das erste Mal Betriebsökobilanzen erstellt. «Jetzt wissen wir, mit welchen Auswirkungen auf die Umwelt wir produzieren», erklärt Marta Bribian ihre Arbeit als Projektleiterin Operations. Die neuen Bilanzen basieren auf Verbrauchszahlen aus dem Jahr 2020. Zusammen mit den Produktökobilanzen quantifizieren wir künftig sämtliche Umweltauswirkungen, die unsere Produktionsprozesse, Produkte und Services über den gesamten Lebenszyklus verursachen. «Wir setzen damit eine ganzheitliche Methode ein, um ressourceneffizienter zu sein», sagt die Umweltverantwortliche Manuela Schneider-Hirth.

Wichtigstes Ziel der Ökobilanzierung ist Transparenz. «Eine grosse Überraschung erlebten wir z.B. beim Ressourcenverbrauch des Verpackungsmaterials», erzählt Jason Zhou, Geschäftsführer bei V-ZUG Special Components. Weil das verwendete Material an einem Standort als Verpackung gilt, am anderen aber Abfall darstellt, fallen mögliche Verbesserungen gleich doppelt ins Gewicht. Mit Hilfe der Betriebsökobilanzen können wir die jeweilige Wirkung von Umweltmassnahmen über alle Kategorien, wie zum Beispiel Energie, Mobilität und Logistik, faktenbasiert darstellen. Die zur Ökobilanzierung verwendete Software kann zudem den Einsatz alternativer Materialien berechnen, was zukunftsfähige Entscheidungen begünstigen wird. «2021 haben wir verbindliche Nachhaltigkeitsziele formuliert. Künftig werden wir in unseren Strategien, Projekten und Massnahmen noch stärker auf die Reduktion des Umweltfussabdrucks fokussieren, idealerweise entkoppelt vom betrieblichen Wachstum», ist Marcel Niederberger, Leiter Nachhaltigkeit bei V-ZUG, überzeugt.  

Abbildung 18: Betriebsökobilanz Standort Zug (Hauptsitz), 2021




«Es freut uns, dass wir V-ZUG mit den Produkt- und Betriebsökobilanzen ein neues Werkzeug in die Hände geben durften. Wir sind überzeugt, dass V-ZUG die gewonnenen Erkenntnisse erfolgreich in Entscheidungsprozesse einfliessen lässt und so die Entwicklungs- und Produktionsschritte optimiert.» 

Mischa Zschokke, Senior Partner, Carbotech AG 

Energie von der Sonne und aus dem Boden 
Für die V-ZUG Kühltechnik AG hiess es im Jahr 2021 «Kisten packen». Den im Jahr 2020 fertiggestellten Neubau Buran in Sulgen konnten wir im Berichtsjahr schrittweise beziehen. Der Umzug einer Produktionsstätte gestaltet sich etwas komplexer als der Umzug einer Wohnung: «Wir können nicht von einem Tag auf den anderen die Produktion in Arbon beenden und in Sulgen aufnehmen», erklärt Andreas Albrecht, Geschäftsführer der V-ZUG Kühltechnik AG. Vielmehr ist es ein paralleles Herunterfahren und Hochfahren über mehrere Monate.

Doch was ist am neuen Standort alles anders? «Das Hauptaugenmerk haben wir auf die Temperaturregulierung gelegt», erläutert Björn Weiss, Projektleiter Neubau Sulgen. Das Herzstück bildet ein Grundwasserbrunnen. Mittels einer hocheffizienten Wärmepumpe können wir mehr als 95 Prozent des Heizbedarfs CO2-neutral abdecken. Nur längere Kälteperioden mit Minustemperaturen müssen wir mit einer Gasheizung überbrücken. Und was, wenn es um die Kühlschränke herum zu heiss wird? «Wir klimatisieren nicht, sondern kühlen», betont Weiss. «Im Sommer nämlich verwenden wir das Grundwasser direkt und leiten es in die Heizkörper». Damit kühlen wir Produktion und Büros an Hitzetagen herunter ohne zusätzliche Energie zu verbrauchen. Den Energiebedarf für die Heizung und das Licht können wir bei optimalen Bedingungen mit der 537 kWp starken Fotovoltaikanlage auf dem Dach stillen.  

Änderungen sind aber auch im Innern des überdurchschnittlich hellen Gebäudes spürbar. Weil wir nur noch in einer einzigen Halle produzieren, ist unser Materialfluss komplett linear. Das heisst, die Kühlschränke laufen von einer Seite der Halle zur anderen und legen zwischen den einzelnen Produktionsschritten praktisch keine Transportwege zurück. Somit können wir innerhalb des Gebäudes auf den Staplerverkehr verzichten. Ende März 2022 wird das Werk in Sulgen vollständig operativ sein, «dann können wir dem Gebäude endlich das volle Leben einhauchen», freut sich Weiss.  

Kleinerer Umweltfussabdruck trotz Wachstum 
«Ich nehme das Wort Leuchtturmprojekt nicht gern in den Mund», so Tobias Frei, Projektleiter für den Multi Energy Hub (MEH) im Tech Cluster Zug, «aber eine Arealentwicklung mit einer ganzheitlichen Energielösung in dieser Grössenordnung ist meines Wissens einmalig in der Schweiz.» Der MEH versorgt den Tech Cluster Zug ab 2022 mit Wärme, Kälte und erneuerbarem Strom, indem er die verschiedenen Energieträger im Netz intelligent koppelt. Der MEH wird durch ein Joint Venture zwischen der WWZ AG und der Tech Cluster Zug AG (Metall Zug Gruppe) betrieben. 

Die Energiezentrale des MEH bauten wir im Herbst 2021 in das bestehende Lagergebäude ZUGgate ein. Zwei Wärmepumpen bewirtschaften dort in Zukunft die Energieströme aus der internen Abwärme, aus dem Kälte- und Wärmebedarf der Prozesse und Gebäude sowie aus dem Seewasserverbund Circulago. Zudem werden sie Energieüberschüsse im Grundwasser einlagern. Einmal an das Arealnetz angeschlossen, werden wir durch die neue Energieversorgung in der Lage sein, das betriebliche Wachstum vom Umweltfussabdruck zu entkoppeln. Dies hat eine Gegenüberstellung der Ökobilanzen 2020 und 2033 aufgezeigt: Der wachstumsbedingte Energieverbrauch wird um 60 Prozent steigen, der ökologische Fussabdruck gleichzeitig um 27 Prozent sinken. 

Bei der Prognose ersetzten wir die Umweltauswirkungen der heutigen Energiequellen rechnerisch durch diejenigen im MEH. «So können wir beispielsweise die unterschiedliche Umweltbelastung der künftigen Wärmepumpen und der heutigen Erdgasheizung quantifizieren», erzählt Carina Heuberger, Koordinatorin Lean Management und strategische Projekte. 

Abbildung 19: Steigender Energiebedarf durch Wachstum, entkoppelt vom Umweltfussabruck (in Umweltbelastungspunkten UBP).

Beitrag zu den SDGs 7, 9, 12, 13  
Klimawandel, Umweltbelastung und der Verlust von Biodiversität sind globale Probleme, die uns alle betreffen. Für den Tech Cluster Zug stellt V-ZUG die Produktion sprichwörtlich auf den Kopf und reduziert den Bodenbedarf. Unter Einbezug ökologischer Baulösungen entstehen innovative, nachhaltige Werkplätze. Mit Pionierprojekten wie dem MEH wollen wir starke Zeichen und Impulse setzen. In Zug wie in Sulgen nutzen wir immer mehr erneuerbare Energie. Gleichzeitig optimieren wir unsere Prozesse und Maschinen, um V-ZUG Geräte energie- und ressourceneffizient herzustellen. Eine interne CO2-Abgabe setzt hierbei gezielt Anreize. Verbleibende CO2-Emissionen kompensieren wir. Die Kompensationsbeiträge unterstützen die Aufforstung in einem eigenen Waldprojekt, dem V-Forest. Der wachsende Wald entzieht der Atmosphäre CO2 und speichert dieses langfristig. Gleichzeitig hilft er, die Biodiversität in einer von Abholzung stark betroffenen Region wiederherzustellen und langfristig zu stärken. 

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