Adrian Ineichen im Gespräch

Herr Ineichen, Sie sind bereits seit 15 Jahren bei der V-ZUG. Was war der schönste Moment, den Sie bisher erleben durften?

Davon gibt es natürlich viele. Ein sehr schöner Moment war für mich zum Beispiel die Eröffnung des ZUGORAMAs Shanghai im November 2014. Auf diesen Tag blicke ich gerne zurück. Ein weiterer unter anderem auch emotionaler Moment ist noch gar nicht so lange her: das war der Börsengang im Juni 2020 – ein äusserst bedeutender und zukunftsweisender Tag für die V-ZUG Gruppe.  

Der Börsengang ist sehr positiv verlaufen, das ist unter anderem auch Ihr Verdienst. Wie möchten Sie als Direktor Finanzen weiter zum Erfolg der V-ZUG beitragen?

Ich sehe die Finanzen als Dienstleistungsbereich, der dem gesamten Unternehmen Support bietet. Das heisst ich sehe mich in der Verantwortung den Führungsleuten transparente Informationen für Entscheidungen zur Verfügung zu stellen, auf Entscheidungen in Bezug auf die betriebswirtschaftliche Relevanz einzuwirken, aber auch Entscheidungen rückwirkend zu analysieren, um aus allfälligen Fehlern lernen zu können. So müssen wir immer wieder neu bewerten: Gehen unsere Entscheidungen und Massnahmen in die richtige Richtung? Viele sehen das Departement Finanzen als Zahlenwälzer. Es ist aber mehr als das, denn letztlich endet jede einzelne Entscheidung in unserer Bilanz. Dort zeigt sich dann unausweichlich ob wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben. 

Sie sprechen sehr passioniert von Ihrer Arbeit. Waren Zahlen schon immer Ihre Leidenschaft?

Ja das kann man tatsächlich so sagen. Die Begeisterung für Zahlen hat sich bereits als Kind entwickelt. Mein Patenonkel war Finanzchef in einem grösseren Unternehmen. Ich fand das faszinierend und fing an, mich mit Zahlen zu beschäftigen. Als Kind erstellte ich für alles Mögliche Ranglisten und Statistiken. Mit 13 Jahren war ich Interviewgast in einer Radiosendung zum Thema Sackgeld. Für mich war klar, dass ich meine Ausbildung im Bereich Finanzen absolvieren werde. Dass mir dann auch die Berufspraxis so zugesagt hat und auch heute immer noch grosse Freude bereitet, anerkenne ich als ein grosses Geschenk. 

Wie würde Ihr bester Freund Sie beschreiben?

Verlässlich, ehrlich, bodenständig – jemand, der es gerne lustig hat. Ich finde es sehr wichtig, dass wir täglich lachen können. Ob privat oder im Beruf, mal herzhaft mit anderen lachen zu können tut gut. 

Der Börsengang im Juni 2020 war ein grosser Moment – brachte auch der Sie zum Lächeln?

Ja, auf jeden Fall. An diesem Tag waren wir zur Eröffnung des Handels an der Börse in Zürich vor Ort. Als dann der Aktienkurs auf dem Board aufgeleuchtet ist, war das schon ein sehr besonderer und schöner Moment. 

So freudig 2020 für uns als Unternehmen mit dem Börsengang war, bleibt das Jahr für viele als eines der schwierigsten unserer Zeit in Erinnerung. Wie hat das Corona-Jahr den Geschäftsgang der V-ZUG beeinflusst?

Weitgehende negative Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Geschäft der V-ZUG Gruppe sind im 2020 ausgeblieben. Im Heimmarkt Schweiz haben wir von einem insgesamt stabilen Markt und einer entsprechend guten Nachfrage profitiert. Dies ist insbesondere auf die Aufrechterhaltung der Bautätigkeit trotz zweiter Welle der Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Ausserdem konnten wir durch die frühzeitige Implementierung von geeigneten Schutzkonzepten und rechtzeitiger Sicherstellung der Produktionskapazitäten die Lieferfähigkeit im Jahr 2020 vollumfänglich gewährleisten und die gesteigerte Nachfrage bedienen. Daneben ergaben sich substanzielle Kosteneinsparungen aufgrund pandemiebedingter Einschränkungen bei den Marktaktivitäten.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell und in Zukunft in unserem Unternehmen?

Unsere grössten Herausforderungen sind gleichzeitig auch unsere grössten Chancen. Wir befinden uns im Wettbewerb mit weitaus grösseren Unternehmen, die ganz andere Mittel zur Verfügung haben als wir. Unsere überschaubare Grösse ist aber zugleich unser Vorteil: Wir sind einfacher und unkomplizierter, können schneller reagieren. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, ist für uns unter anderem wichtig, den Umsatzanteil in unseren internationalen Märkten weiter zu steigern. 

Mit welchen Herausforderungen beschäftigen Sie sich zurzeit am intensivsten?

In den letzten zwei Monaten war der Jahresabschluss als oberste Priorität auf unserem Programm. Das ist eine Phase im neuen Jahr, wo wir zuerst nochmals auf das Alte zurückblicken, bevor unser Blickwinkel wieder in Richtung Zukunftsgestaltung gerichtet wird. Für uns ist dieses Jahr vor allem der Jahresabschluss in dem Sinne eine Herausforderung, da wir zum ersten Mal einen Geschäftsbericht als selbstständiges, börsenkotiertes Unternehmen veröffentlichen. 

Der Geschäftsbericht ist veröffentlicht. Der Blick geht wieder in Richtung Zukunft. Was sehen Sie?

Corona wird uns auch die nächsten Monate, wenn nicht sogar das ganze Jahr nochmals stark beeinflussen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir es im vergangenen Jahr geschafft haben, agil auf diese Krise zu reagieren und bin überzeugt, wir werden auch dieses Jahr gut meistern. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns noch in einer tiefgreifenden Transformationsphase befinden. Die Arealentwicklung in Zug, der Umzug von unserem Kühlschrankwerk von Arbon nach Sulgen, das weitere Wachstum in der Schweiz und im Ausland und natürlich das Vorantreiben der Digitalisierung unserer Prozesse und Produkte sind grosse Herausforderungen. Dabei ist die Fokussierung auf das Wesentliche wichtig. Wir dürfen den Zug nicht verpassen, müssen Trends im Auge behalten. Aber wir haben als mittelgrosses Unternehmen nicht die Mittel, um auf jeder Welle mitzureiten. Wichtig ist, dass wir erkennen, welche Wellen für unsere Kunden und für uns relevant sind. 

Wie sehen Sie die Entwicklung, wenn wir die richtigen Wellen erwischen?

Dann ist V-ZUG auch in 10 Jahren noch ein Schmuckstück: Marktführer in der Schweiz mit einem relevanten Anteil von internationalem Umsatz. Die neuen Prozesse in der Produktion sind eingespielt und wir erhalten oder bauen sogar unsere Arbeitsplätze aus. Die grösste Motivation für meine Arbeit ist für mich heute und in Zukunft dazu beizutragen, dass wir für unsere Mitarbeitenden sichere Arbeitsplätze bei einem stark nachhaltig orientierten Arbeitgeber bieten können. 

Über Adrian Ineichen

Adrian Ineichen ist eidg. dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling und verfügt über einen eidg. Fachausweis in Finanz- und Rechnungswesen der KV Business School Zürich. Seit 2015 ist Adrian Ineichen als Direktor Departement Finanzen (CFO) Mitglied der Geschäftsleitung der V-ZUG Gruppe und leitet seit Juni 2020 das Segment Immobilien. Seine V-ZUG Karriere startete bereits 2005 als Abteilungsleiter Finanz- und Rechnungswesen. Von 2014 – 2015 war er zudem als Head of Finance & Controlling bei der V-ZUG (Shanghai) Domestic Appliance Co Ltd in Shanghai tätig. Vor V-ZUG war Adrian Ineichen in verschiedenen Positionen als Controller bei Panalpina, in Basel und Hong Kong tätig. Davor hatte er verschiedene Management- und Controller-Positionen bei Collano Adhesive in Sempach.